Blickte man am Montagmorgen in die Gesichter der 10 Seminar-Kursteilnehmer/innen, so konnte man ihnen die Aufregung und die Müdigkeit schon von weitem ansehen. Nach der 8-stündigen Zugfahrt mit dem ICE über Hamburg nach Lübeck war die Erleichterung, endlich im Hostel des CVJM’s angekommen zu sein, groß. Nach dem Stylen für den offiziellen Empfang im wunderschönen Lübecker Rathaus tauchten wir erstmals in die MUNOL-Welt ab, wo Dress Code, Business-Englisch und formelle Verhaltensregeln zum Alltag gehören. Und auf einmal fühlte man sich nicht mehr wie ein Schüler, sondern wie ein wichtiger Politiker, der die Welt verbessern kann.
Am nächsten Morgen ging es dann für die ganze Truppe ab in das großzügige Kolosseum zur „Opening Ceremony“. Nachdem alle mit netten Worten begrüßt waren, musste jedes Land eine kurze Stellungnahme abgeben und das vor allen 371 Delegierten aus 9 Ländern. Da rutschte so manchen schon anfangs das Herz in die Hose. Doch diese erste Prüfung wurde von unseren zwei „Ambassadors“ bravourös gemeistert. Nach der Fahrt in die Schule und einer kurzen Einweisung für die Neulinge mit Hilfe von Spaß-Resolutionen ging es dann sofort ins Lobbying. Da hieß es Durchsetzen und Verbündete finden, mit denen fleißig Resolutionen ausgearbeitet wurden, die dann, nachdem sie von Lehrern korrigiert worden waren, 3 Tage lang mit der ganzen Gruppe debattiert wurden.
Eine UN-Konferenz so originalgetreu wie möglich mit SchülerInnen nachzustellen, das ist das große Ziel der Model United Nations-Konferenzen. So werden „Committees“, „Comissions“ und „Councils“ gebildet, Schüler zu Delegierten und eine Schule zum UN Hauptquartier gemacht. Da werden schnell Abiturienten zu Chefs und Lehrer „nur“ zu Nebendarstellern. Da sieht man auf einmal schwarze Röcke und Blusen statt knallbunte Leggings. Und sonst baggy pants-tragende Jungs als schicke, mit Anzug und Krawatte herum laufende Herren. Da werden Gespräche über den neusten Trend und die High Society durch Debatten über Menschenrechte und Umweltprobleme ersetzt. Jeans und Sneakers, Reinreden, Aufstehen, respektloses Handeln und Zuspätkommen werden mit Strafen geahndet - da würden die meisten Lehrer staunen. Die am meisten gefürchtete Strafe ist übrigens das Singen vor allen Delegierten.
Dank der guten Vorarbeit im Unterricht, in der wir uns mit jedem Thema der jeweiligen Councils, Commissions und Committees und der Meinung unserer Länder (Niederlande und Kamerun) dazu beschäftigten, fiel es uns nicht schwer, uns einzufinden. Am Ende wurden dann alle Resolutionen, die in den Committees verabschiedet wurden, in der General Assembly (mit allen Committees) besprochen und diskutiert und wiederum verabschiedet. Unser Pressemitglied für das MUNOL-Magazin musste zwar keine Resolutionen ausarbeiten, dafür aber ihre Schreib- und Interviewkunst unter Beweis stellen.
Man traf die Delegierten der Niederlande und Kameruns öfter etwas müde blickend nach den berühmten MUNOL Partys, aber dennoch ging nie die Motivation verloren.
Alles in allem lernten wir tolle Menschen aus ganz Europa kennen, lernten auf Englisch zu debattieren, hatten einen super Einblick in die UN-Welt und eine Menge Spaß!
Hanna Beckemeier